Eingebettet in einen unscheinbaren kleinen Innenhof in der Müllerstraße im Berliner Ortsteil Wedding liegt die Moschee der Gemeinde Minhaj ul-Quran. Bereits vor einigen Wochen habe ich diesen Ort für das Freitagsgebet besucht, um dort zu beten und innezuhalten. Da mich die besondere Atmosphäre dort schon bei früheren Besuchen angesprochen hat, möchte ich heute meine Eindrücke und einige Gedanken mit euch teilen – insbesondere über die weltweite Ausrichtung dieser Gemeinschaft und ein Gespräch, das mich als Konvertit besonders berührt hat.

Der erste Eindruck: Schlichtheit im Hinterhof

Wer das erste Mal den Weg in den Innenhof sucht, lässt den Trubel der großen Berliner Straßen schnell hinter sich. Die Moschee selbst präsentiert sich architektonisch unprätentiös: Der Gebetsraum ist schlicht und zweckmäßig eingerichtet, bietet aber problemlos Platz für mehrere Dutzend Besucher, die sich zum gemeinsamen Freitagsgebet versammeln.

Es gibt hier keine überladenen Verzierungen, sondern einen klaren Fokus auf das Wesentliche: das Gebet, die Gemeinschaft und das Erinnerungskonzept (Dua). Genau diese schlichte, geerdete Atmosphäre schätze ich an diesem Ort sehr. Man spürt, dass hier das Miteinander im Vordergrund steht.

Herzliche Begegnungen: Der Imam und das Thema Bestattung

Nach dem Gebet kam ich mit dem Imam ins Gespräch, der mich äußerst freundlich und offen empfing. Solche Begegnungen sind für mich als Konvertit, der aus einem eher evangelikalen christlichen Elternhaus stammt, immer von besonderem Wert.

Wir sprachen unter anderem über ein Thema, das im muslimischen Alltag eine große Rolle spielt, für Menschen mit konfessionslos-christlicher Biografie im Alltag aber oft abstrakt bleibt: die islamische Bestattung. Der Imam erklärte mir geduldig die wesentlichen Rituellespekte – von der rituellen Waschung bis hin zur schnellen Beisetzung und der Einbettung in Richtung Mekka. Für mich war dieses Gespräch sehr bereichernd, da der respektvolle Umgang mit dem Tod und den Hinterbliebenen im Islam eine tiefgreifende, gemeinschaftliche Dimension hat, die mich immer wieder fasziniert.

Die Hintergründe: Minhaj ul-Quran International

Was mir bei meinen Besuchen im Wedding ebenfalls aufgefallen ist – und was die Gemeinde von vielen klassischen, eher national oder ethnisch geprägten Kulturvereinen unterscheidet –, ist ihre starke internationale und organisatorische Vernetzung.

Die Bewegung Minhaj-ul-Quran International (MQI) wurde ursprünglich in den 1980er-Jahren (genauer gesagt 1981) von dem pakistanischen Theologen Muhammad Tahir-ul-Qadri in Lahore gegründet. Ihr erklärtes Ziel ist es, ein moderates, von Toleranz, interreligiösem Dialog und Bildung geprägtes Islamverständnis zu verbreiten.

Was als spirituelle und reformorientierte Bewegung begann, hat sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem weltweiten Netzwerk ausgeweitet, das heute in über 100 Ländern aktiv ist. Die Dachorganisation teilt sich dabei in verschiedene spezialisierte Zweige und Organisationen auf, die weit über das reine Abhalten von Gebeten hinausgehen:

  • Bildung und Jugend: Es gibt weltweit zahlreiche angegliederte Institute, Schulen und Jugendorganisationen, die sich um religiöse und weltliche Bildung kümmern.
  • Sozialer Zusammenhalt und Wohlfahrt: Unter dem Namen Minhaj Welfare Foundation betreibt das Netzwerk internationale Hilfsprojekte.
  • Friedensarbeit und Dialog: Die Organisation positioniert sich explizit gegen Extremismus und verfasst theologische Gegengutachten (Fatawa) gegen Terrorismus, was ihr international ein gewisses Gewicht im Bereich der Deradikalisierung verschafft hat.

Fazit

Der Besuch bei Minhaj ul-Quran in Berlin-Wedding zeigt, wie global vernetzt der Islam im urbanen Raum Berlins sein kann und wie gleichzeitig in einem kleinen Hinterhof ein lokaler, nahbarer Ort der Einkehr existiert. Für mich war es ein rundum bereichernder Freitag – ein offener Empfang, ein lehrreiches Gespräch über die Endlichkeit des Lebens und die Gewissheit, dass man als Suchender und Lernender in den Berliner Moscheen immer wieder auf gastfreundliche Menschen trifft.

Habt ihr ähnliche Erfahrungen in internationalen Moscheegemeinden gemacht? Schreibt es gerne in die Kommentare!


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